Verwaltervertrag
Definition (Was ist ein Verwaltervertrag?)
Der Verwaltervertrag ist die schuldrechtliche Vereinbarung zwischen der
Eigentümergemeinschaft und dir (bzw. deiner Firma). Er regelt das
„Arbeitsverhältnis“: Welche Leistungen musst du erbringen? Wie viel Geld
bekommst du dafür? Wie lange läuft der Vertrag?
Man muss streng unterscheiden zwischen der Bestellung (dem Akt der Wahl zum
Organ der WEG) und dem Verwaltervertrag (dem Dienstvertrag). Ohne Vertrag hast
du zwar die gesetzlichen Pflichten aus der Bestellung, aber keinen klaren
Anspruch auf Vergütungshöhe oder Sonderhonorare.
Rechtliche Grundlage
Der Verwaltervertrag ist ein entgeltlicher Geschäftsbesorgungsvertrag nach § 675
BGB. Ergänzend gelten die Vorschriften des § 26 WEG. Wichtig für die Praxis: Der
Vertrag darf eine Laufzeit von fünf Jahren nicht überschreiten (bei der
Erstbestellung nach Begründung von Wohnungseigentum sogar nur drei Jahre).
Automatische Verlängerungsklauseln sind oft unwirksam.
Funktionsweise / praktische Bedeutung
Der Vertrag ist deine wirtschaftliche Lebensgrundlage. Im Video wird über
Gehälter gesprochen („Selbstständige Verwalter rechnen pro Einheit ab“). Genau
das steht in diesem Vertrag. Er regelt im Detail:
- Grundvergütung: Der monatliche Pauschalbetrag pro Wohneinheit (z. B. 25 € pro
Einheit). - Sondervergütungen: Was darfst du extra berechnen? (z. B. für Mahnungen, extra
Eigentümerversammlungen, Begleitung von großen Sanierungen). - Leistungskatalog: Was ist in der Pauschale enthalten (Grundleistungen) und was
kostet extra (Besondere Leistungen)?
Ohne einen detaillierten Vertrag wirst du oft „umsonst“ arbeiten, weil
Eigentümer davon ausgehen, dass mit der Pauschale alles abgedeckt ist – auch der
10. Ortstermin beim Wasserschaden.
Relevanz für die Sachkundeprüfung nach § 26a WEG
Die „Trennungstheorie“ (Trennung von Bestellung und Vertrag) ist ein Klassiker
in der Prüfung. Du solltest wissen:
- Laufzeit: Was sind die Höchstfristen? (5 Jahre / 3 Jahre).
- Beendigung: Was passiert, wenn du abberufen wirst? Endet der Vertrag dann
automatisch? (Seit der Reform 2020: Ja, der Vertrag endet spätestens 6 Monate
nach der Abberufung, § 26 Abs. 3 WEG). - Inhalt: Welche Klauseln sind unwirksam? (z. B. eine Laufzeit von 10 Jahren oder
eine Kündigungserschwernis).
Praxisbezug für Immobilienverwalter
Der Vertrag schützt dich. Im Alltag fordern Eigentümer oft Dienstleistungen, die
weit über das Normale hinausgehen. Mit einem guten Vertrag kannst du sagen: „Das
mache ich gerne für Sie, aber laut Vertrag § 5 wird das nach Stundenaufwand
abgerechnet.“
Zudem regelt der Vertrag deine Vollmachten: Bis zu welchem Betrag darfst du
Reparaturen ohne Rückfrage beauftragen? (z. B. bis 1.000 €). Das gibt dir
Handlungsfreiheit im Alltag, ohne für jede Kleinigkeit eine Versammlung
einberufen zu müssen.
Typische Fehler oder Haftungsrisiken
Ein häufiger Fehler sind veraltete Verträge. Wenn du noch Verträge aus der Zeit
vor der WEG-Reform 2020 nutzt, sind viele Klauseln vielleicht ungültig oder
nachteilig für dich. Ein großes Risiko sind unklare Vergütungsregelungen. Wenn
du Sonderhonorare für Sanierungen berechnest, die im Vertrag nicht glasklar
definiert sind, fordern Eigentümer das Geld später zurück – und bekommen vor
Gericht oft Recht.
Zusammenfassung
Der Verwaltervertrag ist die rechtliche und kaufmännische Basis deiner
Tätigkeit. Er definiert deine Aufgaben und sichert dein Einkommen. Ein
professioneller, detaillierter Vertrag verhindert Streitigkeiten über
Zuständigkeiten und Sonderhonorare und ist essenziell für eine wirtschaftlich
erfolgreiche Verwaltung.
Im Vorbereitungskurs zur Sachkundeprüfung nach § 26a WEG lernst du, worauf du
beim Abschluss von Verwalterverträgen achten musst und welche Klauseln für dich
als Verwalter unverzichtbar sind.