
Du möchtest Finanzanlagen vermitteln und dafür die Erlaubnis nach § 34f GewO erwerben? Dann führt der Weg für die meisten angehenden Finanzanlagenvermittler über die IHK-Sachkundeprüfung zum Geprüften Finanzanlagenfachmann bzw. zur Geprüften Finanzanlagenfachfrau (IHK). In der schriftlichen Prüfung zeigst du, dass du die fachlichen und rechtlichen Grundlagen der Anlageberatung und -vermittlung beherrschst.
Wichtig ist dabei: Mit der bestandenen Sachkundeprüfung besitzt du noch nicht automatisch die Gewerbeerlaubnis nach § 34f GewO. Die Prüfung ist der Nachweis deiner Sachkunde – die Erlaubnis und die Registrierung müssen anschließend separat beantragt werden.
Die schriftliche 34f-Prüfung auf den Punkt
- Prüfungsform: Der schriftliche Teil wird in der Regel elektronisch durchgeführt (je nach IHK am PC oder Tablet). Dich erwarten praxisbezogene Aufgaben: Single-Choice- und Multiple-Choice-Fragen sowie kurze offene Aufgaben, etwa Berechnungen.
- Modularer Aufbau: Geprüft werden der Allgemeine Teil „Kenntnisse für Beratung und Vertrieb von Finanzanlageprodukten" plus nur die Fachbereiche, für die du dich anmeldest: offene Investmentvermögen, geschlossene Investmentvermögen und/oder Vermögensanlagen.
- Dauer: Maximal 165 Minuten, wenn alle drei Kategorien geprüft werden – 30 Minuten für den Allgemeinen Teil und je 45 Minuten pro Fachbereich. Bei weniger Kategorien verkürzt sich die Prüfung entsprechend.
- Bestehensgrenze: Du musst in jedem geprüften Bereich mindestens 50 % der erreichbaren Punkte erzielen. Anders als bei der 34d-Prüfung gibt es keinen Ausgleich zwischen den Bereichen.
- Anmeldung: Die Prüfung legst du bei einer prüfenden Industrie- und Handelskammer ab. Termine, Fristen und Gebühren unterscheiden sich je nach IHK – einen Überblick findest du in unserem Beitrag zu den Prüfungsterminen und IHK-Standorten.
Die drei Kategorien nach § 34f GewO
Die Erlaubnis nach § 34f GewO ist in drei Kategorien unterteilt – und genauso modular ist die Sachkundeprüfung aufgebaut. Du wirst nur in den Fachbereichen geprüft, für die du die Erlaubnis anstrebst:
Kategorie 1: Offene Investmentvermögen
Hierzu zählen insbesondere klassische Investmentfonds und ETFs. Diese Kategorie ist für die meisten Vermittler der Einstieg, weil offene Investmentvermögen in der Beratungspraxis die größte Rolle spielen.
Kategorie 2: Geschlossene Investmentvermögen
Dazu gehören geschlossene Fonds, etwa Beteiligungen an Immobilien-, Energie- oder Infrastrukturprojekten. Sie unterscheiden sich in Struktur, Laufzeit und Risikoprofil deutlich von offenen Fonds – entsprechend eigenständig ist dieser Prüfungsbereich.
Kategorie 3: Vermögensanlagen
Diese Kategorie umfasst Vermögensanlagen im Sinne des Vermögensanlagengesetzes, zum Beispiel Direktinvestments, Nachrangdarlehen oder Genussrechte.
Für deine Planung heißt das: Du kannst mit einer Kategorie starten und deine Sachkunde später um weitere Kategorien erweitern. Bei einer Erweiterungsprüfung wirst du nur im jeweiligen neuen Fachbereich geprüft.
Aufbau und Ablauf der schriftlichen Prüfung
Die schriftliche Prüfung besteht aus dem Allgemeinen Teil und den von dir beantragten Fachbereichen. Im Allgemeinen Teil geht es um übergreifende Kenntnisse für Beratung und Vertrieb von Finanzanlageprodukten – von rechtlichen Grundlagen über die Bedarfsermittlung bis zur anleger- und objektgerechten Beratung. In den Fachbereichen werden die produktspezifischen Kenntnisse der jeweiligen Kategorie geprüft.
Zeitlich gliedert sich die Prüfung so: 30 Minuten für den Allgemeinen Teil, dazu je 45 Minuten pro Fachbereich. Wer alle drei Kategorien ablegt, sitzt also maximal 165 Minuten in der Prüfung.
Die Aufgaben sind praxisbezogen aufgebaut. Neben Single-Choice-Aufgaben, bei denen genau eine Antwort richtig ist, kommen Multiple-Choice-Aufgaben mit mehreren richtigen Antwortmöglichkeiten sowie kurze offene Aufgaben vor, etwa Berechnungen oder einzutragende Werte.
Gerade bei Multiple-Choice-Aufgaben solltest du die Fragestellung genau lesen. Entscheidend ist nicht nur dein Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, Formulierungen präzise zu erfassen und das Gelernte auf konkrete Beratungssituationen anzuwenden.
Wann ist die schriftliche 34f-Prüfung bestanden?
Jeder geprüfte Bereich wird gesondert bewertet. Du bestehst den schriftlichen Prüfungsteil, wenn du im Allgemeinen Teil und in jedem beantragten Fachbereich jeweils mindestens 50 % der erreichbaren Punkte erzielst.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur 34d-Prüfung: Dort kann ein schwächeres Sachgebiet teilweise ausgeglichen werden. Bei der 34f-Prüfung gilt die 50-%-Grenze für jeden einzelnen Bereich – ein sehr gutes Ergebnis im Allgemeinen Teil rettet dich nicht, wenn ein Fachbereich darunter liegt. Erreichst du in einem Bereich weniger als 50 %, gilt der schriftliche Teil als nicht bestanden und muss wiederholt werden.
Für deine Vorbereitung bedeutet das: Plane für jeden angemeldeten Fachbereich ausreichend Lernzeit ein und konzentriere dich nicht nur auf die Kategorie, die dir am meisten liegt.
Der praktische Prüfungsteil – und wann er entfällt
Zur vollständigen Sachkundeprüfung gehört neben dem schriftlichen auch ein praktischer Prüfungsteil: ein simuliertes Kundenberatungsgespräch von in der Regel etwa 20 Minuten.
In bestimmten Fällen entfällt der praktische Teil nach § 3 Abs. 5 FinVermV – zum Beispiel, wenn du bereits einen Teil der Sachkundeprüfung erfolgreich abgelegt hast und deine Sachkunde nur um eine weitere Kategorie erweiterst, oder bei bestimmten Vorqualifikationen wie einer bereits bestandenen Sachkundeprüfung zum Versicherungsfachmann. Ob eine Befreiung für dich greift, klärst du am besten direkt mit deiner prüfenden IHK.
Anmeldung zur 34f-Prüfung: Fristen und Kosten
Die Sachkundeprüfung kannst du bei einer Industrie- und Handelskammer ablegen, die diese Prüfung anbietet. Prüfungstermine, Anmeldefristen und Gebühren sind allerdings nicht bundesweit identisch: Je nach IHK liegt der Anmeldeschluss oft mehrere Wochen vor dem Prüfungstermin, und auch die Gebühren unterscheiden sich – was die 34f-Prüfung bei den einzelnen IHKs kostet, haben wir separat für dich zusammengestellt.
Beachte außerdem: Die Gebühr richtet sich in der Regel auch danach, wie viele Fachbereiche du ablegst. Informiere dich frühzeitig und buche deinen Termin nicht erst, wenn du mit der Vorbereitung fertig bist – gefragte Termine können ausgebucht sein.
Aktuelle Termine findest du in unserem Ratgeber zu den Prüfungsterminen und IHK-Standorten.
So bereitest du dich auf die schriftliche 34f-Prüfung vor
Die 34f-Prüfung ist anspruchsvoll, aber mit einer strukturierten Vorbereitung gut machbar. Entscheidend ist, dass du gezielt auf die Prüfungsstruktur hinarbeitest: den Allgemeinen Teil sicher beherrschen und jeden angemeldeten Fachbereich einzeln auf das 50-%-Niveau bringen.
Eine gute Vorbereitung kombiniert drei Dinge: Fachwissen aufbauen, prüfungsnahe Fragen bearbeiten und das eigene Wissen regelmäßig unter realistischen Bedingungen überprüfen.
Gerade für Quereinsteiger kann ein Online-Selbstlernprogramm sinnvoll sein: Du arbeitest die Themen systematisch durch und erkennst früh, in welchen Bereichen noch Wissenslücken bestehen.



